Kenia-Oktober 25
Am 14. Oktober sind wir mit vier Gepäckstücken Richtung Kenia aufgebrochen. Bereits auf dem Weg zum Bahnhof verlor eine unserer Reisetaschen den Reißverschluss. Also haben wir am Flughafen kurzerhand das gute Stück in Frischhaltefolie einwickeln lassen – und weiter ging’s.
Zwei Tage vor unserem Abflug erreichte uns ein Schreiben des Bildungsministers: Im letzten Trimester sei es verboten, die Schule zu besuchen, damit sich die Schüler auf ihre Prüfungen vorbereiten können. Glücklicherweise konnte Suleiman für uns eine Ausnahme aushandeln. Die 9. Klasse schreibt das nationale Examen, dessen Ergebnis darüber entscheidet, welche weiterführende Schule besucht werden kann. Auch die 6. Klasse absolviert eine Prüfung, bevor die Schüler auf die neu geschaffene Junior Highschool wechseln. Die Regierung hat dafür zwei neue Klassenräume gebaut und zusätzliche Lehrer eingestellt. Dennoch sind pro Klasse rund 70 Schüler mit nur einer Lehrkraft, was das Lernen erheblich erschwert.
Wir hatten unseren Besuch für Freitag geplant, doch dieser Tag wurde kurzfristig zum nationalen Feiertag erklärt. Der Schulleiter versicherte jedoch, dass alle 438 Schüler trotzdem anwesend sein würden. Also machten wir uns auf den Weg, besorgten Muffins, Bananen, Melonen und Saft für alle – und verteilten alles vor Ort.
Anschließend besichtigten wir die neuen Lehrerzimmer und Sanitäranlagen. Irgendetwas läuft dort mit der Reinigung nicht rund. Ursprünglich wollten wir die Lehrertoiletten schließen, damit die Lehrer gezwungen wären, die Schülertoiletten zu nutzen und diese dadurch sauberer blieben – doch das macht keinen Sinn, denn auch die Lehrertoiletten sind schmutzig. Zudem gibt es überall undichte Rohre und kaputte Wasserhähne, und unserem Hausmeister fehlen die nötigen Ersatzteile. Suleiman kümmert sich nun darum, dass die Kommunikation künftig besser funktioniert.
Das Gespräch mit den Lehrern verlief leider nicht besonders gut – unsere Vorstellungen von Hygiene gehen offenbar weit auseinander. Es fehlt eindeutig ein kompetenter Manager, der die Verantwortlichen führt und anleitet. An einem Waschbecken konnten wir immerhin demonstrieren, dass sich der Schmutz entfernen lässt, wenn man nur fest genug mit der Bürste aufdrückt – obwohl die Lehrer überzeugt waren, das sei unmöglich.
Außerdem äußerten die Schüler Wünsche nach Fußballtrikots sowie Kostümen für die Theater- und Tanzgruppe. Der Schulleiter hingegen forderte, wir sollten die Schulmauer reparieren und auf zwei Meter erhöhen. Das werden wir jedoch nicht tun. Die Mauer wurde ursprünglich errichtet, um Tiere – Ziegen, Hühner und Kühe – vom Schulgelände fernzuhalten, was sie auch tut. Nun sollen aber einige Schüler als Abkürzung über die Mauer klettern, und die ersten Steine fehlen bereits. Suleiman schlug vor, die betroffenen Familien zur Reparatur zu verpflichten.
Wir hatten den Eindruck, dass einige Lehrer ihren Ärger über unsere Kritik an Suleiman ausgelassen haben.
Mit den vier Lehrern, deren Gehalt von unserem Verein bezahlt wird, führten wir anschließend ein eigenes Gespräch. Wir haben ihnen zugesagt, ihr monatliches Gehalt von 8.000 KES auf 10.000 KES (66€) anzuheben. Eigentlich sollten die Schüler die Lehrer selbst bezahlen, aber das funktioniert überhaupt nicht.
Auch die Mietzahlungen für die Lehrerunterkünfte laufen nicht rund. Wir haben nun eine Tabelle erstellt und alle Lehrkräfte verpflichtet, ihre Rückstände bis Mitte Dezember zu begleichen – sonst müssen sie im Januar ausziehen.
In der Berufsschule gab es eine personelle Veränderung: Der bisherige Schulleiter – unser Verhältnis war ohnehin schwierig – wurde durch Madam Mejumaa ersetzt. Seitdem wirkt dort alles viel ordentlicher, und die Schneiderinnen entwerfen wirklich hübsche Kleidungsstücke. Derzeit haben wir dort zwölf Maurerlehrlinge und acht Schneiderinnen.
Für die Prüfungen der 6. und 9. Klasse gibt es traditionell besonders gutes Essen. Daher haben wir für 100 Kinder ordentlich eingekauft und alles direkt in die Schule geliefert. Es war der letzte Schultag; die Schüler waren allein in ihren Klassen, während fast alle Lehrer im Lehrerzimmer vor dem Fernseher saßen. Der Schulleiter war nicht anwesend – es scheint ihn auch nicht zu interessieren.
Nebenbei haben wir das Ofenrohr mithilfe einer Konservendose repariert – Dank an Stefan für den Tipp. Da es nirgendwo Ofenrohre zu kaufen gibt (wir haben fünf „Baumärkte“ durchsucht), war das eine pragmatische Lösung. In einem katholischen Kindergarten mit 400 Kindern entdeckten wir dieselben Brenner wie unsere. Die freundliche Nonne gab uns den Kontakt, und zum Glück kümmert sich nun Suleiman um die Reparatur.
Bakari, der erste Schüler in unserem Förderprogramm für begabte Schüler, steht kurz vor seiner Abschlussprüfung als Installateur (allerdings nicht für Heizungen). Gleichzeitig lernt er seit Sommer Deutsch an einer Sprachschule in Ukunda. Wir haben ihn dort besucht und waren sehr beeindruckt von seinen Fortschritten. In zwei Monaten wird er seine A2-Prüfung ablegen – und wir sind sicher, dass er sie bestehen wird.
Inzwischen haben alle Schüler Ferien bis Anfang Januar.


































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